Weintasting im Hunter Valley

Pokolbin, 23. Dezember 2019

Morgens um 9.30 Uhr haben wir im Pokolbin Village eingecheckt, weil um 5pm die Rezeption schließt, wir aber erst um diese Zeit ungefähr von unserer Wein-Tasting-Tour zurückkommen.  Kurze Zeit später kommt auch schon der Bus unseres Veranstalters Two Fat Blokes, um uns abzuholen.

Wir sind heute 10 Personen, die sich im Hunter Valley die Kante geben. Es gibt hier eine Menge kleiner Kellereien auf engstem Raum, deshalb fahren wir gerade mal 5-10 Minuten von einer Destination zur anderen. Der erste Weinkeller heißt Mistletow, passend zu Weihnachten. Wir probieren uns durch ca. 10 Weine, von weiß bis rot, von trocken bis zum süßen Dessertwein. Und mir wird Angst und Bange, wie wir das heute mit Würde und in aufrechter Haltung überleben sollen.

Die Weine sind eher leicht. Man könnte auch sagen flach und ein bisschen wässrig. Als europäischer Wein-Gourmant reißt es uns nicht unbedingt vom Hocker. Aber die Amerikaner in der Gruppe kaufen fleißig ein. Wir anderen können derweil den Skulpturengarten bewundern, der den Weinkeller umgibt.

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Kurz darauf sind wir am zweiten Spot, dem Hauptquartier von Two Fat Blokes, einem urigen Steinhaus. Hier dürfen wir testen, wie Weine mit verschiedenen Käsesorten interagieren. Die Weine sind nicht so viel besser, aber die Käse finde ich echt toll. Obwohl wir eigentlich auf Milchprodukte verzichten. Aber dann wäre der Witz weg. Und natürlich gewinnen die Weine durch den Käse ungemein. Und man hat nicht mehr das Gefühl, in Kürze mit dem Lallen anzufangen. Also kaufen wir diesmal alle ein, aber eher Käse als Wein.

Margaret von Brisbane erzählt mir, dass sie mit der Buchung das Angebot erhalten haben, ein Paket mit Antipasti für 45$ einzupacken, das sie im Anschluss an die Tour erhalten und als Kleinigkeit fürs Abendessen dient. Wir ahnen alle, dass heute Abend nicht mehr viel passiert. Also überrede ich Chris, das für uns auch noch zu bestellen.

Weiter gehts zu einem der größeren Weinkeller hier – McLeish Estate. Auch hier testen wir uns durch diesmal 12 Weine. Ich fange an, die ersten auszulassen. Die Weißweine sind Chardonnay, Cabernet, ab und zu Verdelho und ganz viel Semillon, der bei uns eigentlich nur verschnitten wird. In Australien wird er jedoch sortenrein produziert. Der Chardonnay hier überzeugt mich. Die Semillons sind bestimmt gut, wenn man ein leckeres Essen an einem heißen Tag zu sich nimmt. Sie sind alle sehr frisch, sehr leicht und ohne viel Abgang. Bei den Roten probieren wir Shiraz, Merlot, Cabernet Sauvignon, Tempranillo und Pinot Noir. Alle nicht wirklich vollmundig oder mit Tiefgang, aber passt schon.

2CD9C298-15A0-4882-A6F4-7FCB4AD1533BMittlerweile wird die Gruppe immer ausgelassener. Wir kommen mit den Iren ins Gespräch und mit den zwei Frauen aus Brisbane. Eine relativ kleine, zierlich gebaute junge Frau, ich glaube sie kommt aus Sydney, wurschtelt während der Weinprobe irgendwas unter dem Tisch. Bis rauskommt, dass sie mit ihren 2cm langen Nägeln an ihrem beim letzten Spot gekauften Käse rumnippelt. Als ihr die zuständige Dame vom Weingut ein Brett und ein Messer zur Verfügung stellt, versinkt sie vor Peinlichkeit beinahe im Boden und giggelt und kichert, und wir lachen alle mit. Sie gesteht, dass sie eigentlich viel mehr auf Käse steht als auf Wein.

Gut, dass es jetzt erstmal Lunch gibt. Da es draußen sehr grau und ein bisschen frisch ist, setzen wir uns noch im Weingut an einen langen Tisch, an dem unser Guide July bereits für jedes Paar eine Kiste bereitgestellt hat, die vollgepackt ist mit Wurst, Käse, Baguette, etwas Salat, Kracker und zwei kleinen Stücken Schokoladenkuchen. Niemand schafft die Kiste. Es ist sehr viel und sehr lecker. Da es nicht so heiß ist, nehmen wir alle unsere Reste mit. Wer weiß, ob wir sie noch brauchen, um dem Wein weitere Grundlage zu verschaffen.

10D7C157-564B-4505-BD17-0B4EB1163769Die nächste Weinprobe haben wir im Weinkeller Saddler‘s Creek, in einem hübschen Raum mit Kronleuchtern an der Decke.

8C9B4987-D8A4-4A0C-B3C1-C19A46F1F36EMittlerweile kann sich die Dame, die die Weinprobe durchführt, nur noch mit Mühe Gehör verschaffen, weil wir uns alle angeregt unterhalten, während wir einen Wein nach dem anderen probieren. Unser Leichtgewicht wirkt mittlerweile etwas unkontrolliert und kichert mit Schlafzimmerblick ziemlich viel. In diesem Weinkeller werden wir am Schluss dorthin geführt, wo der Wein in Fässern reift und dürfen zur Abwechslung einen noch unreifen Wein probieren. Nach meinem Geschmack hat er ausgeprägte Bitternoten, die wohl mit weiterer Reife und Verschnitt zu rundem Geschmack entwickelt werden.

Am letzten Spot, dessen Namen ich leider nicht mehr weiß, gibt es noch Weinprobe in Interaktion mit Schokolade-Kompositionen. July schwärmt von der tollen und besonderen australischen Schokolade. Und ich sage ihr, dass ich darauf schon gespannt bin, weil meines Wissens die weltbeste Schokolade aus Belgien, der Schweiz oder Deutschland kommt. Sie schaut mich ganz erstaunt an und meint, ich werde überrascht sein.

6F2EF936-C694-4F00-A9F0-8E3923AEF821Zu vier verschiedenen Pralinen gibt es hier acht Weine zum verkosten. Wir sollen also immer den Wein probieren, die Hälfte der Praline essen und dann den gleichen Wein erneut versuchen. Diese Vorgabe kommt bei unserem Leichtgewicht schon gar nicht mehr an. Eine Praline nach der anderen verschwindet mit einem Haps. Beim Schwenken des Weins, um ihm genügend Luft zu geben und das Buket zu entfalten, fühle ich mich an Slapstick erinnert und ich mache mir ernsthaft Sorgen um die neben ihr sitzende Ruth, denn sie schwenkt den Wein ohne hinzuschauen mit ausholenden Bewegungen, und der Wein schwappt bis zum Rand der großen Gläser. Ich warne Ruth und sie spricht daraufhin beruhigend auf ihre Nachbarin ein und führt die Hand mit ihrem Glas zurück zum Tisch. Der ausgelassenen Stimmung tut das keinen Abbruch. Und als man uns erklärt, dass die Grundlage der Pralinen belgische Schokolade ist, hat July auch noch was dazugelernt.

Die letzte Station (Gott sei Dank) ist eine Brauerei, bei der wir noch 3 verschiedene Biersorten testen dürfen. Das gezapfte Kölsch steht schon auf dem Tresen und wartet auf uns. Kölsch????? Ich frage den Mann hinterm Tresen, warum sie ein Bier anbieten, das sie nicht mal aussprechen können. Er lacht und erzählt, dass der Brauer in Deutschland war und so begeistert von diesem Bier, dass er in Australien seine Version davon nachgebraut hat. Und daraufhin haben das andere Brauer, denen das Bier gefallen hat und die immer auf der Suche nach was Neuem sind, diese Idee gleich aufgegriffen und nachgemacht haben. Mit einer kleinen Änderung. Bei ihnen heißt es Kolsch, denn ein ö haben sie ja eigentlich nicht in diesem Land. Und dem sind wir mit Verwunderung auch vorher schon begegnet. Wobei es geschmacklich doch deutliche Unterschiede gibt, denn die Biere hier sind generell leichter, wässriger und weniger bitter und vollmundig. Wahrscheinlich der Hitze geschuldet.

Dann müssen wir ganz schnell noch zwei andere Bier aussuchen, weil die Brauerei in 20 Minuten, um 5pm schließt. Das Chrismas Pudding Bier schmeckt so gruselig, dass ich es lieber nicht trinke. Stattdessen hole ich mir noch ein klassisches Lager. Chris versucht noch ein Bockbier, das zwar dunkel aber nicht wirklich stark ist, und holt sich dann auch noch sein bevorzugtes Pale Ale. Gut dass die Gläser klein sind. Und dann treibt uns July an, wieder in den Bus zu steigen. Und 5 Minuten später sind wir an unserem Hotel. Dort drückt sie uns noch die Kühltasche mit unseren bestellten Antipasti in die Hand und weg sind sie.

Die Kühltasche ist voll. Wir brauchen an diesem Abend tatsächlich nichts mehr davon. Dafür essen wir die nächsten 5 Tage davon Lunch. Der Abend ist eher schweigsam und Chris und ich genießen unser hübsches Apartment und sind vollauf beschäftigt, zu verarbeiten, was wir heute so zu uns genommen haben.

Abschließend kann ich sagen, dass es interessant und lustig war. Aber man sollte die Tour nicht wegen dem Wein machen, der ist eher leichtgewichtig. Aber es ist Grund genug, dass es absolut kurzweilig und spaßig war. Wir haben es nicht bereut.

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