Fraser Island – nix für Weicheier

Fraser Island, 09. Dezember 2019

Morgens um 7.45 Uhr werden wir abgeholt für unsere 2-Tages-Tour auf Fraser Island. Vorher frühstückt Chris noch Cornflakes mit Orangensaft aus einer der Plastikschalen, die ich mal ausgespült und eingesteckt habe. Und wir machen uns einen löslichen Kaffee, den man hier in den meisten Hotels im Zimmer hat, inkl. Kühlschrank und Heißwasserkocher. Unsere Koffer packen wir ins Auto, das wir auf dem Hotelparkplatz stehen lassen.

Als der Bus kommt, ist er schon relativ voll. Tatsächlich sind wir die Vorletzten, die er aufsammelt, bevor er noch ca. 30 Minuten bis zur Fähre fährt. Der Bus ist besonders gefedert und hat Allrad-Antrieb, denn Fraser Island ist eine Insel, die quasi vollständig aus Sand besteht. Sie ist Weltkulturerbe seit 1992, weil hier der einzige Ort auf der Welt ist, an dem Regenwald auf Sand entstanden ist.

Zu unserer Überraschung bleibt der Bus auf dem Festland. Aber als wir nach 30 Minuten Überfahrt aus der Fähre aussteigen, wartet ein identischer Bus auf uns. Der Veranstalter hat wohl ca. 80 Busse dieser Art auf der Insel. Und wir sehen einen Dingo, für den diese Insel bekannt ist. Tatsächlich bleibt es der einzige Dingo, den wir sehen. Aber Clayton, unser Guide, hat gesagt, er hat hier noch nie einen gesehen, insofern Glück gehabt.

Dingos sind asiatische Wölfe, die irgendwelche Menschen mal mit hergebracht haben. Sie sind eigentlich scheu. Als Chris vor 27 Jahren schon mal hier war, sind diese ganz nah an die Menschen ran, haben geschnuppert und sind dann auch wieder verschwunden. Niemand hat vor ihnen gewarnt. Aber man hat sie wohl zu oft gefüttert, was dazu geführt hat, dass es aggressive Übergriffe durch Dingos gegeben hat und Menschen verletzt wurden. Seitdem darf man nirgends Essen mitnehmen, ohne es besonders zu sichern, weil die Dingos das riechen. Man soll ihnen unter keinen Umständen Essen zukommen lassen, weder aus Versehen noch mit Absicht, sonst muss man 10.000$ Strafe zahlen.

Und dann geht die Fahrt los, und die ist grandios und grauenhaft gleichzeitig. Die Straßen sind komplett aus Sand. Da es schon sehr lange nicht mehr geregnet hat, ist der Sand sehr sehr weich und die Straße hat viele Löcher. Sie lässt sich wohl nur ausbessern, wenn es geregnet hat. Das hat es aber schon lange nicht mehr. Dementsprechend fährt der Guide den Bus ca. mit 10-15 Stundenkilometer maximal und es geht auf und ab, hin und her. Der Bus schwankt schlimmer wie beim heftigsten Wellengang, den wir hatten. Ab und zu seufzen die Teilnehmer kollektiv auf, wenn ein Loch besonders tief, eine Schräglage besonders krass oder ein Baum vielleicht um knapp 10 cm verfehlt wurde. Denn die Straße ist exakt so breit wie der Bus. Und im Führerhaus wackelt alles ganz besonders extrem. Das Funkgerät und das Handy haut es öfter mal aus der Halterung. Und die Bauchmuskeln sind bei mir automatisch etwas angespannt. So sieht die Straße an besseren Stellen aus:

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Unser erstes Ziel ist der Lake McKenzie. Er ist bekannt für den schneeweißen Sand und das kristallklare Wasser. Wie wir schon an den Whitsundays erfahren haben, ist es der gleiche Sand wie am Whitehaven Beach, aber die Reinheit ist nur 45%, nicht 98% wie dort. Aber er ist trotzdem wunderbar klar. Wir werden nochmal gewarnt, ja nichts zum Essen mitzunehmen, und dann gehen wir die 250m runter zum See und freuen uns, ins Wasser zu springen, das wunderbar erfrischend ist.

Nach 1,5 Stunden geht es weiter zur Central Station. Hier war Anfang des 19. Jahrhunderts ein Holzfäller-Camp. Es stehen noch ein paar alte Gebäude und Maschinen rum. Ansonsten führt ein Weg runter an den kristallklaren Bach. Clayton erklärt uns, dass die riesigen,, kerzengeraden Bäume des Regenwaldes perfekt für den Schiffs- und hier insbesondere für den Mastbau waren. Es gab sogar einen Zug auf der Insel, um die Baumstänmme ans Ufer zu transportieren. Ein Holzweg führt uns durch den wunderschönen Regenwald und hält uns gleichzeitig weg vom Bach, der dem hiesigen Stamm der Aboriginees heilig ist, weil hier ihre Frauen üblicherweise ihre Kinder geboren haben. Wir sehen einen großen Aal im Bach und eine kleine Eidechse am Ufer, während es zirpt und zwitschert. Die Bäume sind gewaltig, ungefähr 30m hoch und mehrere 100 Jahre alt. Sie brauchen auf Sand wesentlich länger, bis sie so groß sind, weil der Sandboden so wenig Nahrung abgibt. Es gibt hier Bäume, die 2000 Jahre alt sind.

Mittlerweile sind wir sehr hungrig und hoppeln weiter ins Eurong Resort, eine Hotelanlage, in der wir heute Nacht auch schlafen werden. Sie sieht ein bisschen aus wie eine ostdeutsche Ferienanlage vor dem Mauerfall. Der Speisesaal hat Kantinenstil, wobei es bei uns deutlich hübschere Betriebskantinen gibt. Und anschließend muss man sein Geschirr selber abräumen. Das Essen ist vielseitig und man kann es essen. Mit Liebe gemacht ist anders. Ich wünsche mich zurück zu den Sandwiches und Wraps des Kakadu.

Nach dem Lunch geht es wieder los zu einem Hike. Der soll allerdings anstrengend werden, weshalb ein paar Teilnehmerinnen sich entscheiden, lieber im Resort zu bleiben. Mit dem Rest fahren wir mit dem Bus ein Stück am Strand entlang, bevor wir den Parkplatz unseres Startpunktes erreichen. Auf dem Sand kann Clayton richtig Speed geben und mit 50-80 Stundenkilometer heizen. Man hat das Gefühl, es macht ihm Spaß, auch wenn es immer wieder Priele gibt, die den Strand queren und die er sehr vorsichtig überqueren muss.

Wir haben uns alle mit Wasser eingedeckt, und wer hat, hat sich auf Empfehlung von Clayton feste Schuhe angezogen. Denn der Hike geht 2,4 km durch den Busch – auf Sandwegen. Und die sind nicht weniger weich als die Straßen. Der Weg führt auf und ab, teilweise sind mit Holzplanken „Stufen“ abgeteilt, damit der Höhenunterschied leichter zu bewältigen ist. Aber der Marsch ist anstrengender als alles, was wir im Kakadu Nationalpark gemacht haben. Ein bisschen wie Tiefschnee-Wanderung. Ich lasse mir Zeit, weil ich ganz fasziniert bin von dem wunderschönen, exotischen Regenwald, der mich umgibt. Es gibt so viel zu sehen, es zirpt und zwitschert, es ist einfach toll. Und heiß. Dann stehen wir plötzlich auf einer sehr großen Sanddüne. Und dann wird einem so richtig bewusst, was das heißt – eine Insel ganz aus Sand. Das letzte Stück führt durch richtig tiefen, lockeren und richtig heißen Sand. Aber immerhin geht es bergab. Wir schmeißen die Klamotten von uns und hüpfen in den Lake Wabby. Das war es wert.

950465A6-DB19-4B39-A607-2FB1D97CE8CFEs sind zwar zahlreiche andere Touristen da, aber es fühlt sich an, wie den Gipfel eines Berges erklommen zu haben. Und während wir uns von den winzigen Fischen beknabbern lassen (das kitzelt), erzählt uns Clayton, dass die Düne Richtung See wandert und diesen in ein paar Jahrzehnten verschluckt haben wird. So ist er auch entstanden – indem die Düne einen Fluss vom Rest des Flussbettes abgesperrt hat und er sich aufgestaut hat.

8D62F523-1706-4E73-9EF5-6CE9E30BC0CDDer Rückweg hat es nochmal in sich. Vor allem weil der erste Teil in praller Sonne jetzt bergauf geht. Ich bin langsam, einfach weil es so anstrengend ist. Fast oben angelangt, fällt mir auf, dass ich meinen wunderschönen Hut unten im Gebüsch liegen gelassen habe. Chris und ich stöhnen unisono auf. Den müssen wir holen. Ich will mich gerade auf den Rückweg machen, als Chris mich zurückhält und statt mir geht. Ich wäre einfach zu langsam gewesen beim erneuten Ersteigen der Düne. – Mein Held! Ich bin echt sehr, sehr dankbar.

7BDB9307-0AB4-486D-96A0-FA62A89036B9Zurück im Hotel freuen wir uns sehr auf eine Dusche, essen gottergeben das nicht wirklich schlimme Essen in grottiger Atmosphäre und trinken noch was in der Bar. Die Cocktails dort verdienen nicht wirklich den Namen. Chris trinkt trotzdem einen (oder zwei?). Um halb zehn gehen wir erschöpft ins Bett nach einem ereignisreichen Tag. Man muss Fraser Island ja nicht nach der Unterkunft beurteilen….

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