Haie, überall Haie

30. November 2019

Die Nacht ist so ruhig wie keine andere. Die Maschinen sind aus, das Boot schaukelt uns sanft in den Schlaf. Am Morgen fahren wir ein kleines Stück zum North Point, an dem wir heute 4 Tauchgänge machen werden. Alles ist fein bis wir morgens aufstehen und Nehali meint, die Haie sind schon da.

Wir gehen zum Oberdeck und schauen ins Wasser. Und da sind sie – sie ziehen ihre Kreise neben dem Boot. Nicht nur kleine Riffhaie, sondern richtige Brummer. Und im Laufe des Morgens werden es immer mehr und sie kommen immer dichter an die Wasseroberfläche.

E805C379-A84B-45DC-ADB9-9376CBD8B2B1Der erste Dive ist ein One Way Dive. Wenn wir wirklich Strömung hätten, wäre es ein Drift Dive entlang der östlichen Wand des North Point. Aber Strömung gibt es nicht wirklich. Als wir uns aus dem Tenderboot fallen lassen, das uns gebracht hat, paddeln wir die ungefähr 250 Meter zum Boot selber zurück. Die ganze Zeit haben wir diese beeindruckende steile Wand auf der linken Seite und das Blauwasser auf der rechten Seite. Leider lassen sich auch diesmal keine großen Tiere sehen. Aber als wir am North Point ankommen, sehen wir die Haie kreisen. Es sind mindestens 15 Haie verschiedenster Art, manche ganz schön groß. Denn die Haie sind konditioniert und wissen was kommt: Sharknado – die Fütterung der Haie.

Beim nächsten Dive sind alle ganz begeistert. Michelle schmeißt sich fürs Briefing in ein lustiges Haikostüm. Und dann erfolgt das Briefing für Sharknado:

D6F203AC-AA95-4556-AC59-EEEC4663AEFFWir gehen alle möglichst gleichzeitig ins Wasser, dafür wird extra eine Seitentür vom Boot geöffnet, um einen zweiten Zugang zum Wasser zu haben. Es geht erst los, wenn alle fertig vorbereitet dastehen. Nach dem Sprung ins Wasser tauchen alle zügig ab und unverzüglich zu der Nische im Fels, wo die Fütterung stattfinden wird. Dort unten warten schon Sanne und Brad und weisen uns unsere Plätze zu. Wir werden sitzen wie in einer Arena und Michelle fotografiert alle. Dann fragt sie jeden nochmal, ob alles ok ist. Ab diesem Moment rührt sich keiner mehr von der Stelle, denn jetzt wird der Käfig mit den vier gefrorenen Thunfisch-Köpfen ins Wasser gelassen. Die sind riesig, ungefähr so groß wie der Kopf einer Kuh. Sie wurden in gefrorenem Zustand der Reihe nach an einem Metallkabel befestigt, das am Ende zwei Bojen hat. Sobald der Deckel geöffnet wird, schwimmen die Bojen nach oben und das Kabel mit den Thunfisch-Köpfen steht senkrecht im Wasser.

DCIM100GOPROGOPR0493.Michelle erklärt sehr anschaulich, dass die Haie schon angefangen haben ihre Kollegen zu informieren: „Hey guys, da sind wieder die Verrückten, die mit ihren Thunfisch-Köpfen einen ausgeben.“ und alle Haie der Umgebung rücken an. Sie meint, wir sollen nicht anfangen, den Haien hinterher zu schwimmen für gute Fotos. Sie werden die Haie zu uns bringen. Wenn wir losschwimmen, wenn die Thunfische im Wasser sind, könnten die Haie uns für zusätzliches Futter halten. „Das einzig Gefährliche ist, wenn die Sharks über euren Köpfen schwimmen mit Thunfisch im Maul und er aus dem Maul fällt. Das gibt ein ganz neues Level der heißen Kartoffel, die man möglichst schnell loswerden sollte.“ Michelle spielt das anschaulich vor, wie sie hektisch etwas von sich stößt. „Aber werft den Tuna dann nicht auf andere Diver, sondern so schnell wie es geht von euch wegkicken.“ Dabei lacht sie, giggelt und grinst. „Sobald die Tuna-Köpfe im Wasser sind, spielen die Haie komplett verrückt. Das ganze dauert zwischen 3 und 30 Minuten. Und sobald alles verdrückt ist, verziehen sich die Haie und ihr könnt in aller Ruhe den Tauchgang fortsetzen.“

DCIM100GOPROGOPR0496.Ich muss gestehen, ich bin anscheinend die Einzige, die das Geschehen nicht so begeistert. Ich habe Respekt vor Haien und mag solche Touristenvorführungen von wilden Tieren nicht so gern. Auch finde ich stillsitzen bei einem Tauchgang völlig unnatürlich und es geht mir gegen den Strich. Und darüber hinaus wird mir so sehr schnell sehr kalt. Das war schon bei der Fütterung des Codfisch nicht mein Ding. Ich denke aber auch, dass mich das an Jurassic Parc erinnert, in dem der Mathematiker auseinandersetzt, dass laut Chaostheorie der größte Fehler des Menschen ist, zu glauben, er habe das Chaos im Griff. Und aggressive, bewusst scharf gemachte Haie – es gibt kaum ein größeres Chaos. Meine Skepsis könnte also nicht größer sein.

Die Vorführung beginnt nach Plan. Der Gitterkorb kommt ins Wasser. Die Haie fangen an, den Korb zu attackieren und verrückt zu spielen. Michelle fotografiert noch links von mir, als plötzlich einer der Taucher, ein älterer Mann von ca. 70 Jahren, ein Problem bekommt. Das Klackern im Video ist von Michelle, als sie ihren Kollegen darauf aufmerksam macht, dass es ein Problem gibt. Hektisch wird eine kleine Ersatzflasche gebracht während die Haie um den Korb herum verrückt spielen. Dann sehe ich, wie Michelle den Mann am Kragen packt und Richtung Riffplateau an die Oberfläche zieht. Ich denke schon, das beendet die Show. Aber Michelle ist kurz darauf wieder unten und fotografiert weiter. Später erfährt Chris, dass der Inflator des Tauchers wahrscheinlich Probleme gemacht hat und er nicht richtig Luft bekommen hat, auch nicht aus der Reserveflasche. Sie haben ihn tatsächlich mitten während Sharknado aus dem Wasser gebracht – wie auch immer das erfolgt ist.

Das Lösen der Klappe des Futterkäfigs klappt auch nicht beim ersten Mal. Brad, der unterhalb der Haie auf dem Felsplateau liegt, wartet, bis die völlig durchgedrehten Haie sich wieder ein bisschen beruhigt haben. Dann bewegt er sich ein zweites Mal ganz vorsichtig Richtung Käfig und löst die Schnur, die den Deckel zuhält. Und dann rasten die Haie völlig aus. Man sieht kaum, wie sich die Schnur Richtung Oberfläche bewegt. Die Haie toben unter- und übereinander wie verrückt. Man sieht, wie ein ganzer Tuna-Kopf in einem Haimaul verschwindet. Das Wasser kocht und der Anblick zeigt die ganze Kraft und Wildheit dieser Tiere. Es dauert vielleicht 5 Minuten, dann sind alle Tunaköpfe verschwunden. Weitere 3 Minuten später sind alle Haie weg, eine Minute später der Käfig aus dem Wasser gezogen.

Vorsichtshalber bleiben alle Taucher noch einen Moment still sitzen, bevor sich nach und nach alle bewegen und anfangen, in unmittelbarer Umgebung die Gegend zu erkunden.
Ich bin immer noch nicht begeistert sondern fühle mich irgendwie unwohl, darüber hinaus ist mir kalt geworden. Ich signalisiere Chris, dass ich auftauchen will, er aber gerne mit jemand anderem zusammen tauchen kann. Aber so ist Chris nicht, er taucht selbstverständlich mit mir auf.

Als wir oben sind ist er froh, teilgenommen zu haben, weil es ja auch sehr beeindruckend war. Ich fühle mich nur ausgelaugt und ein bisschen traurig. Obwohl es jetzt im nachhinein auf jeden Fall eine gute Story ist. Aber die nächsten zwei Tauchgänge finde ich trotzdem tausendmal schöner als diesen. So hat eben jeder sein Ding.

C57CB1FD-42EE-4613-A2F3-8B8126992388Und der nächste Tauchgang ist sogar derjenige mit den meiner Meinung nach mit Abstand schönsten Korallen, die wie ein bunter hängender Garten an der westlichen Steilwand vom Northpoint sind. Es ist ein weiterer One Way Dive und ich bin wieder ganz eins mit dem Meer und dieser wundersamen Welt hier unten, meine Seele wird ganz friedlich und fröhlich. Und die Haie, die am Ende des Dives am North Point kreisen jucken mich nicht die Bohne.

2 Kommentare zu „Haie, überall Haie

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  1. Herrjee, seit ihr verrückt? Das mit den den Haien sieht zwar heiß aus, aber never ever würde ich das machen – Respekt! Ich allerdings finde die Korallen auch viel viel schöner!!
    Mein Motto für euch gilt nachwievor: kommt heile nach Hause 😉

    Liken

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