Osprey Reef im Korallenmeer

28./29. November 2019

Nach einer unruhigen durchgefahrenen Nacht sind wir tatsächlich morgens um 6 Uhr in Cairns. Wir werden alle geweckt, weil die Zimmer meistens zwischen 6.30 Uhr und 7.00 Uhr neu gemacht werden.

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Gegen 8 Uhr gibt es ein Gruppenfoto und die Hälfte der Gäste verlässt uns. Um 8.30 Uhr kommen die Neuen an Bord. Und während wir das zweite Frühstück reinschieben (das erste habe ich geskipt), stellt sich der neue Käpitän vor und wir starten die lange Reise zum Osprey Reef, 350km von Cairns. Von Lizard Island wären es nur 110km gewesen, das ist schon ein Unterschied.
Der Plan ist, dazwischen an einem Riff den Orientierungsdive für die Neuen und einen zweiten Dive gleich im Anschluss zu machen und dann ab 16.00 Uhr durchzufahren bis zum nächsten Morgen. Schließlich soll morgens um 6.30 Uhr der erste Tauchgang am Osprey Reef stattfinden.

51B264F9-C773-4762-8B8A-069C11DDA1F2Während die anderen ihren Orientierungsdive machen, macht unser Kurs den Peak Performance Buoyancy Dive. Dabei geht es darum, möglichst nicht nur mit Luft im Jacket sondern auch mit der Luft in der Lunge die Tauchtiefe zu regulieren und so balanciert wie möglich im Wasser zu schweben. Wir machen ein paar kleine Spiele dafür, die ganz lustig sind. Zum Beispiel erhalten wir 1,5 Kilo in die Hand und müssen mit Lungenarbeit vermeiden, dass wir dadurch den Boden berühren oder, wenn wir sie wieder abgeben, nach oben steigen. Außerdem sollen wir Kopf voraus Richtung Sandboden navigieren und dabei nur mit dem Mundstück Gewichte, die im Sand stecken, verschieben. Beim zweiten mal mit einem Hindernis zwischen den zwei Gewichten, über das wir drüber schweben müssen.

Die Übungen machen Spaß, und wir sind alle schon so gut in unseren Tarierfähigkeiten, dass wir die Aufgaben gut bewältigen. Danach tauchen wir noch ein bisschen durch die Unterwasserlandschaft, die wir auch beim zweiten Dive nochmal genießen. Es ist wunderschön, weil es hier auch viele Softkorallen gibt, die im Wasser hin- und herschwanken. Außerdem taucht direkt vor meiner Nase gerade eine Schildkröte zum Luftschnappen an die Oberfläche und ca, 2 m vor mir auch wieder runter, um ein bisschen an den Korallen zu nagen. Der Durchmeser so einer Schildkröte liegt bei 50-60cm, schätze ich (im Wasser wirkt alles etwas größer!). Den zweiten Dive haben Chris und ich alleine gemacht und es hat alles gut geklappt. Auch Chris ist zufrieden.

Als wir aus dem Wasser steigen regnet es kurz. Sobald alle im Boot sind, startet auch schon die lange Fahrt in die Coral Sea. Bevor das Boot ablegt, wird immer nochmal eine zweite Zählung gemacht, bei der jeder persönlich bestätigen muss, dass er an Bord ist, obwohl das schon protokolliert wird, wenn man aus dem Wasser kommt. Anscheinend hat bei einem Ehepaar einer mal gesagt sein Partner wäre an Bord obwohl dem nicht so war. So kann man das Eheproblem natürlich auch lösen.

1E6F61E0-6D41-44FA-9F8A-CAFFBFA5B512Die Fahrt wird sehr unruhig. Mir wird etwas schwummrig und Chris schlägt vor, prophylaktisch was zu nehmen. Das Geschuckel nimmt immer weiter zu und ich falle einmal die Treppe runter, geht aber nochmal gut. Sanne erklärt uns, dass der Körper sich sagt, dass man Bewegung spürt, obwohl nix zu sehen ist (im Bootsinneren oder im Dunkeln) und insofern davon ausgeht, dass man was Ungesundes geschluckt hat, das er durch Speien wieder loszuwerden versucht. Je gelassener wir reagieren, desto weniger verfällt der Körper in Alarm. Außerdem empfiehlt sie, früh zu Bett zu gehen. Erstens schläft man auf so einer Fahrt nicht so tief und zweitens vergeht die Übelkeit meist, wenn man die Augen zu hat. Also gehen wir gegen 20.00 Uhr ins Bett und ich fühle mich, als ob ich in einer Wiege liege. Es rollt zwar seitwärts und vorwärts hoch und runter, aber es fühlt sich eigentlich witzig an. Jedenfalls bleibt uns beiden die große Übelkeit erspart und nach ein bisschen Einschlafschwierigkeiten schlafe ich gar nicht schlecht.

F48CC176-A8E7-4C3F-A6FE-A3F42BEBF954Beim Aufwachen um 5.30 Uhr fährt das Boot immer noch. Tatsächlich kommen wir erst um 6.20 Uhr am Riff an. Und dann geht es auch gleich los mit dem letzten Instruction Dive – ein Drift Dive. Dabei fährt man mit dem Schlauchboot an eine bestimmte Stelle und lässt sich dann rückwärts ins Wasser fallen. Wenn man abtaucht, gibt es eine deutliche Strömung, die uns dann an der 1000m tiefen Wand entlang treibt, das ist der Drift.

DCIM100GOPROGOPR0393.Die Herausforderung ist, seinen Buddy nicht zu verlieren, denn dann muss man auftauchen. Außerdem ist es bei so einem bodenlosen Tauchgang wichtig, die Tauchtiefe im Auge zu behalten. Und wenn man nicht rechtzeitig aus der Strömung rausschwimmt, treibt man hoffnungslos ins Blauwasser ab. Deshalb müssen wir die Strömung auch einmal queren, was ordentlich Kraft und Luft kostet. Die Hoffnung ist, dass man in so einer Strömung die ganz großen Tiere beobachten kann: Tigerhaie, Hammerhaie, Barrakudas und Mantas – riesige Rochen.

DCIM100GOPROGOPR0481.Die Herausforderungen des Drift bewältigen wir alle sehr gut, aber mit den großen Tieren haben wir leider Pech. Die Sicht ins Blauwasser ist nicht so gut wie erhofft. Als wir uns in der Strömung an ein paar Felsen klammern, um ein bisschen verharren zu können, sehen wir ein paar Baby-Riffhaie und ein paar Barrakudas. Das wars.

DCIM100GOPROGOPR0468.Auch beim nächsten Tauchgang haben wir zwar die beeindruckende Erfahrung, an einer in der Tiefe verschwindenden Wand zu tauchen, aber nix großes taucht auf.

2F3F799A-92A2-486A-9A8A-2718EB27432DWir haben an diesem Tag 5 Tauchgänge, 4 bei Tag und einen bei Nacht. Beim dritten Tauchgang war das Wetter nicht mehr sonnig und das Wasser sehr unruhig. Chris und ich sind allein unterwegs. Die besondere Herausforderung ist, dass jede Richtung, die wir nehmen, entweder mit oder gegen deutliche Strömung ist. Mit Strömung zu tauchen ist auf dem Hinweg gefährlich, weil unklar ist, wieviel Luft und Kraft man für den Rückweg braucht. Gegen die Strömung ist anstrengend, dafür kann man zurück driften. In den Lücken, die von der großen Wand ins Osprey Reef reinführen, scheint die Strömung völlig unberechenbar und wir kehren einige Male relativ schnell um, weil entgegen dem Briefung die Strömung massiv ins Riff reinzieht und wir ordentlich paddeln müssen, um wieder rauszukommen.

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Tauchen macht müde!

Beim 4. Tauchgang sind wir wieder mit Sanne unterwegs. Als Chris die Luft knapp wird signalisiert sie, dass er auf das Boot zurück kann und sie mit mir noch weitertauchen wird. Wir bewegen uns lediglich ein paar Meter weiter und hängen dann ungefähr einen Meter über einem Riffplateau nah an der großen Wand auf der Stelle. Ich verstehe, dass sie mir die Chance geben will, doch noch was Großes zu sehen. Wir schlagen nur leicht mit unseren Flossen, um an derselben Stelle zu bleiben. Ansonsten hängen wir im Wasser und beobachten die Fische um uns herum. In der Ferne sehen wir aufgrund der schlechten Sicht einen größeren Hai, mehr nicht. Es hat etwas meditatives, so im Wasser zu hängen. Ich denke nichts, sondern genieße nur die Schwerelosigkeit. Nach ungefähr 15 Minuten schwimmt im 90 Grad Winkel zu uns plötzlich eine gigantische Schildkröte vom Riff ins Blauwasser. Ich bin komplett irritiert. Sowas habe ich noch nie gesehen. Sie ist deutlich über 2m lang, hat keinen expliziten Panzer, aber es sieht sonst alles nach Schildkröte aus. Sanne macht jubelnde Gestik und ich verstehe nicht wirklich, was ich da gesehen habe.

Als wir auftauchen, ruft Sanne den anderen zu, dass wir eine Leatherback gesehen haben. Die anderen sind völlig konsterniert und fragen sie, ob sie Witze macht. Keiner will es so recht glauben. Als ich später recherchiere finde ich heraus, dass diese Schildkröten-Art bis 3m lang und uralt wird und extrem selten ist. Die anderen Taucher sind hin hergerissen zwischen Neid und Ungläubigkeit. Es war aber auch ein majestätischer Anblick.

68DB2558-D728-4C8E-881E-478D5B39A685.jpegDieses Foto ist natürlich online geklaut. Aber ich wollte die Dimensionen dieser Schildkröte gern deutlich machen. 

Dagegen ist der Nachttauchgang schon fast Routine. Es ist nicht mehr gruselig und mit der Taschenlampe sieht man viele Dinge extrem farbig, weil ja alles drumrum dunkel ist. Leider sind alle meine Fotos unscharf. Aber wir haben einige professionell ausgestattete Taucher dabei. Immer wenn die Fotos also gut ausgeleuchtet und bunt sind, habe ich von Mittauchern profitiert.

5F41614A-03B6-4D22-A58C-E67766FD59ABMorgen folgen die Hai-Tauchgänge, einer davon mit Fütterung. Ich habe noch nicht entschieden, ob ich daran wirklich teilnehmen will. Ich bin eher kein Adrenalin-Junky und Haie werden bei der Fütterung aggressiv, das weiß man. Aber die machen das hier jede Woche und es ist noch nie was passiert. Ich denke, ich werde erstmal drüber schlafen und dann entscheiden.

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