Tauchen am Great Barrier Reef

25./26. November 2019

Um 11.00 Uhr wurden wir abgeholt und in die nicht weit entfernte Wharf gebracht. Dort lag das Schiff vor Anker. Bis sich alle Gäste einfanden, haben wir links und rechts von uns ein paar Gespräche begonnen. Es sind Gäste aus Amerika, Spanien, Australien und sogar von Fiji da, von jung bis alt. Dann folgte die Begrüßung, Vorstellung der Crew, Führung durch das Schiff und Verteilung der Kabinen. In der Zwischenzeit legt das Boot ab und steuert auf das offene Meer raus.

Unsere Kabine ist die tollste hier an Bord. Diesen Luxus haben wir uns gegönnt. Und das hat sich gelohnt, denn wir sind auf Deck, direkt hinter dem Ruderhaus, mit vielen Fenstern und Platz.

Da es heute morgen regnet und der Himmel voller dunkler Wolken ist, wanken wir wie die Betrunkenen von Seite zu Seite, stützen uns immer wieder ab. Es ist nicht wirklich viel Bewegung, aber genug für uns Landratten, dass man sich ein bisschen schwummerig fühlt. Und das ist ja die spannendste Frage für uns: Werden wir seekrank oder nicht? Deshalb war die Empfehlung von Mitteln gegen Seekrankheit auch das allererste Thema, das der Kapitän uns erklärt hat. Das Zeug muss man nämlich nehmen, bevor es einem schlecht wird, sonst wirkt es nicht mehr.

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Chris hat uns dann doch ein Ingwerpräparat geholt, einfach vorsichtshalber. Aber in den nächsten Tagen hat sich herausgestellt, dass wir – zumindest bei ruhiger See- seefest sind. Trotzdem, noch torkeln wir.

Dann ging es aufs Tauchdeck zur Erläuterung der Tauchvorbereitungen und Auswahl der Ausrüstung, die wir auf dem Boot leihen. Wir erhalten alle 5mm dicke, lange Taucheranzüge mit Schuhen. Lunch soll es erst geben, wenn wir alle da durch sind. Mittlerweile ist es 14.00 Uhr und ich bin am verhungern, schließlich frühstücke ich nicht. Aber wir sind 26 Leute an Bord, das dauert. Insofern stürzen wir uns begeistert auf die Burger, als es endlich soweit ist.

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Und dann geht es los mit dem Briefing für einen ersten Orientierungsdive. Michelle ist die Trip Verantwortliche (siehe Foto unten) und lässt einen englischen Schwall über uns regnen. Sie hat ‚eine Gosch wie Schwert’ würde man bei uns sagen. Sie ist schnoddrig und witzig und es macht Spaß, ihr zuzuhören. Aber es braucht auch Konzentration, so dass ich hinterher ganz erschlagen bin vom Zuhören. Aber ich denke, ich habe alles mitbekommen, was man wissen muss.

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Beim Orientierungsdive kann man sein Wissen auffrischen und die Instructor bekommen eine Vorstellung von unserem Können. Der dauert dann auch nur 30 Minuten. Direkt im Anschluss soll ein zweiter Tauchgang stattfinden, bei dem man sich dann wirklich umschauen kann.

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Dieser erste Dive ist für alle schwierig. Man hat das Gefühl, kurzatmig zu sein vor lauter Aufregung. Alle Handgriffe sind noch ungeübt, man hat auch soviel Zeug, das alles zur richtigen Zeit an die richtige Stelle gepackt werden muss. Unter Wasser knien wir uns in den Sand und füllen unsere Masken mit Wasser und leeren sie wieder, nehmen den Inflator aus dem Mund, um ihn dann wieder zu holen und legen uns flach auf den Boden in den Sand, um Tarierung zu üben, das heißt wie man ausbalanciert in der Horizontalen im Wasser schwebt. Dafür gibt man nach und nach Luft ins Jacket, bis man sich anhebt. Ich liege auf dem Bauch und gebe einen Stoß Luft nach dem anderen ins Jacket, bleibe aber liegen wie festgenagelt. Ich habe gewusst, dass die 8 kg, die mir der Guide gegeben hat, viel zu viel sind. Irgendwann klappt es auch bei mir und ich schwebe im Wasser wie es sein soll.

Sanne, unser niederländischer weiblicher Instructor hat uns eigentlich gesagt, dass sie vorhat, gleich mit uns unten zu bleiben, um den nächsten Dive sofort dranzuhängen. Aber als wir unsere Übungen durch haben, winkt sie uns alle nach oben. Wir machen den Sicherheitsstopp auf 5m für 5 Minuten und tauchen auf.

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Als wir oben sind erklärt Sanne, dass es einer der Kandidaten wohl geschafft hat, in den 30 Minuten schon seine Flasche leer zu schnaufen, deshalb gab es die Planänderung. Das ist dann der Fall, wenn jemand nicht gelassen genug ist, denn das ist das A und O für eine langanhaltende Luftversorgung – tiefenentspannt atmen.

Für zwischendurch gibt es ein bisschen Obst, bis alle Flaschen wieder gefüllt sind. Dann geht es nochmal los. Mittlerweile dämmert es bereits, es ist demnächst 18.00 Uhr. Also nehmen wir uns die Taschenlampen mit.

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Da Chris und ich 2 Jahre nicht tauchen waren, tauchen wir nicht allein sondern mit Guide und haben deshalb einen Advanced Diver Kurs gebucht. Ich wäre ja total scharf drauf, ohne Guide loszutauchen. Aber Chris bevorzugt dann doch den Guide – ohne den wir noch nie getaucht sind. Der Kurs beinhaltet 5 Spezialdives, bei denen man immer ein bestimmtes Thema angeht und die Theorie dazu lernt. Wir machen den Deep Dive, lernen Navigation unter Wasser (damit man das Boot wieder findet, was eine Herausforderung sein kann) und lernen das Verhalten beim Tauchen in der Nacht. Was die anderen zwei Dives sein werden, steht noch nicht fest. Wir sind in dem Kurs zu dritt. Mit uns lernt Nehali, eine junge Frau von den Fijis, die bei der UN in New York arbeitet und erst 7 Tauchgänge als Erfahrung aufweisen kann. Die Empfehlung für die Reise liegt bei mindestens 25. Chris und ich haben über 40.

Die Unterwasserwelt ist hübsch, aber noch nicht spektakulär. Dafür sehen wir schon beim ersten Dive zwei Haie, die entspannt an uns vorbeischwimmen. Das ist an den meisten Divespots etwas sehr seltenes, weil diese Tiere sich in Thailand beispielsweise nur in großer Tiefe aufhalten und extrem scheu sind. Hier nicht. Wir sind gerade mal auf ca. 20 m und einer schwimmt sogar von Chris unbemerkt ein kurzes Stück hinter ihm her. Da er aber ganz gelassen wirkt, bleibe ich ruhig und nach ein paar Metern dreht er auch ab. Mittlerweile hat Chris ihn auch bemerkt.

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Leider ist auch dieser Tauchgang bereits nach 30 Minuten zu Ende, weil einer der Gruppe keine Luft mehr hat. Ich kenne das schon von anderen Tauchgängen, dass meine Flasche noch 3/4 voll ist, wenn wir als Gruppe auftauchen müssen. So bleibt kaum Zeit, sich umzuschauen. Die Zeit vergeht unheimlich schnell unter Wasser. Und man muss ja seinen Buddy immer im Blick haben. Und fürs auf- und abtauchen gehen 10 Minuten rum. So habe ich kaum Zeit, die teils winzigen Fische, die sich durch die Korallenbäumchen winden, so richtig zu genießen oder gar nach winzigen Schnecken oder Garnelen Ausschau zu halten. Aber es nützt alles nix, geht die Gruppe hoch, muss ich mit.

An Bord fühlt sich die eigentlich sehr warme Luft kalt an. Also beeilen wir uns mit Aufräumen unserer Ausrüstung und stürzen uns in unser Zimmer für eine warme Dusche. Nach dem Abendessen geht es bald ins Bett. Als Taucher trinkt man kaum, weil es die Gefahr der Dekompression erhöht. Und müde ist man außerdem. Und der nächste Tag beginnt bereits um 6.30 Uhr.

Erst gibt es ein kleines Frühstück aus Obst und Cereals, für alle die wollen. Dann gibt es das Briefing. Wir erfahren, wie der Tauchplatz aufgebaut ist, wie die Strömung ist, in welche Richtung wir tauchen, was wir an diesem Platz finden könnten und in welche Gruppen wir eingeteilt werden. Unser erster Dive ist ein Instruction Dive im Rahmen unseres Kurses, und zwar ein Deep Dive. Deep ist alles zwischen 18 und 40 Meter. Wir werden 30 Meter tief tauchen und uns dann langsam nach oben vorarbeiten. Noch habe ich meine GoPro nicht dabei, weil ich mich erst noch etwas ans Tauchen gewöhnen will. Und wieder ist nach 30 Minuten Schluss. Tief zu tauchen kostet besonders viel Luft, nur bei mir nicht. Ich komme mit halbem Tank nach oben und bin jetzt doch gefrustet. Chris meint, ich könnte ja einfach mal atmen unter Wasser – sehr witzig. Niemand hält unter Wasser die Luft an, das könnte die Lunge zum Platzen bringen, wenn man zwischendrin die Tauchtiefe wechselt. Meiner Meinung nach hilft Yoga! Aber Frauen haben in diesem speziellen Bereich generell den Männern was voraus. Yeah!

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Doch dann verspricht Sanne mir, dass ich beim nächsten Dive bei unserem Dive Instructor bleiben kann, wenn die anderen der Gruppe auftauchen. Und die Welt ist wieder in Ordnung. Bei den nächsten Dives nehme ich die GoPro (Kamera) und die Taschenlampe mit. Es macht unheimlich Spaß, mit der GoPro auf Jagd nach guten Bildern zu gehen und mit der Taschenlampe in Höhlen zu leuchten und zu sehen, was sich darin versteckt. Natürlich sind meine Bilder hauptsächlich grün und blau, weil rot die erste Farbe ist, die in der Tiefe verloren geht. Man bräuchte deshalb ein Beleuchtungssysteme für richtig gute Bilder. Mehrere der Taucher haben das auch. Aber für das erste Mal finde ich meine Videos und Bilder gar nicht schlecht. Manche Videos habe ich so gedreht, dass es einem schlecht wird, wenn man sie anschaut, weil ich die Kamera viel zu schnell bewegt habe. Viele Bilder sind völlig verwackelt. Es ist durchaus eine Herausforderung, ruhig auf der Höhe des Objektes zu schweben, das man ablichten will und von der Strömung weder nach oben noch links oder rechts getragen zu werden.

In diesem Video sieht man im Zentrum eine wunderschöne Muschel mit Diskofarben.

Wir tauchen am zweiten Tag fünf Mal. Immer, wenn man gerade alles ausgezogen und aufgeräumt hat und sich gerade hinsetzt gibt es essen. Und kaum möchte man sich nach dem Essen kurz entspannen, schallt schon wieder der Ruf ‚Dive Time‘ über das Boot. Dann stürmen wir das Divedeck und werkeln uns in den Anzug – eine Kugelfuhr! Dann gibt es das Briefing. Und schon sind wir wieder im Wasser. Ich liebe es!

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Doch der Höhepunkt des Tages ist der Nightdive. Schon beim Briefing bekommen wir das Gruseln. Michelle erzählt, dass viele große Fische, auch Haie, unsere besten Freunde sein werden und stets an unserer Seite bleiben, weil wir das Jagdgebiet so schön ausleuchten. Wenn wir was entdecken und es unserem Buddy zeigen wollen, sollen wir mit der Taschenlampe nicht die ganze Zeit draufhalten. Sonst sagt der Hai neben uns: „Hab ich dich.“ und schon ist das Fundobjekt Geschichte. Und tatsächlich kocht das Wasser an der Stelle, an der die Bootsbeleuchtung auf das Wasser trifft. 30-40 cm lange Fische in Massen tummeln sich da und platschen immer wieder durch die Oberfläche, weil das Licht auch Grill und kleine Fische anzieht und das beleuchtete Wasser damit ein ergiebiger Aufenthaltsort ist. So viele Fische finden wir sonst nie am Einstieg.

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Bei diesem Bild hat Masa – ein Instructor, seine Lampe draufgehalten. Da sehen die Bilder gleich ganz anders aus. (Ich muss mir so ein Ding kaufen!) Und dieser Fisch ist ein Feuerfisch.

Für uns Kursteilnehmer ist es am Ende nicht so gruselig, weil wir viel in dem Bereich bleiben, der vom Boot beleuchtet ist und uns kaum richtig in die Dunkelheit begeben, denn für uns drei ist es der erste Night Dive, den wir machen. In der Nacht müssen wir uns sehr vorsichtig fortbewegen, um keine Korallen zu berühren, unseren Buddy nicht zu verlieren und nicht plötzlich an die Oberfläche gezogen zu werden. Das Tauchen ist nämlich ein bisschen tricky. Je weiter man nach unten kommt, desto mehr wird die Luft in der Lunge, im Anzug und im Jacket vom Wasserdruck zusammengepresst, und desto weniger Auftrieb hat man. Das heißt, taucht man nach unten, wird man im Zweifel immer schneller. Taucht man aber nach oben, hat man plötzlich tierisch Auftrieb und wird richtig nach oben gezogen, denn die Flasche wird während dem Tauchgang immer leichter und Luft in Lungen und Jacket dehnt sich wieder aus. Man soll aber auf keinen Fall schnell und unkontrolliert auftauchen. Also muss man, sobald man Auftrieb spürt, Luft aus dem Jacket ablassen. Im Dunkeln ist es aber viel schwieriger abzuschätzen, wie schnell man sich Richtung Oberfläche bewegt. Und so passiert es wohl immer wieder, dass Taucher plötzlich an die Oberfläche poppen.

9DECF1C6-5361-43D3-9651-0506074F484FAber Chris und ich sind ja Naturtalente – insofern klappt alles wirklich gut ;-). Wir sehen tatsächlich Haie, allerdings nur im Vorbeischwimmen. Viele 50-60 cm große Fische tummeln sich um uns, eine große Schildkröte schwimmt an uns vorbei und ich finde eine mächtige Krabbe unter einem Korallenblock.

Nach dem Tauchen gibt es eine warme Dusche, einen süßen Nachtisch und ein Glas Wein, und gegen 21.30 Uhr leeren sich die Räume sehr schnell, weil alle schrecklich müde sind und morgen um 6.30 Uhr der Weckruf über das Boot schallen wird. Und diese zweite Nacht fühlt sich auch deutlich ruhiger an und ich schlafe viel besser als in der ersten Nacht.

Wie es kommt, dass ich diesen Beitrag jetzt online stellen kann und noch viel mehr deutlich professionellere Fotos gibt es im nächsten Beitrag, der sicher erst am Montag oder Dienstag kommen wird. Denn am Great Barrier Reef ist das mit dem Internet leider nicht weit her 🙂

 

Ein Kommentar zu „Tauchen am Great Barrier Reef

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  1. Hey, da ich selbst schon mehrmals segeln war, weiß ich wie schön ein wenig Platz in der Kabine ist.
    Die Tauchbilder sind auch ohne die Spezialbeleuchtung sehr beeindruckend und mir wird fast ein wenig schwindelig, wenn ich daran denke, dass sie so tief tauchen und dabei Spaß haben. Aber jeder ist auf seine Weise schräg:). Ich freu mich jedenfalls für Sie und hoffe, die Woche bringt noch ganz viel Neues …. aber nicht übermütig werden, wir wollen sie wiederhaben 🙂
    Lg Rita

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