Seelöwen, oder so…

 

Die Catlins, 8./9. Januar 2020

Jetzt mal ehrlich, was ist toll daran, alle Türen und Fenster im Bad aufzusperren, wenn es draußen total kalt ist. Das ist eines der Dinge, die ich am Campen wirklich hasse. Es gibt tatsächlich sanitäre Anlagen, in denen sich die Fenster nicht schließen lassen. Und das in einer Region, in der es im Sommer nachts auch mal 7°C haben kann. Der Top10 Campingplatz in Dunedin war so. Was soll das?

Die Catlins fangen, wenn man von Dunedin kommt, am Kaka Point an. Dort ist unser erstes Ziel: Nugget Point. An der Straße kurz vor dem Ziel sitzen zwei junge Menschen und starren auf den Strand. Es dauert einen Moment bis ich kapiere, dass da ein Seehund in der Sonne liegt und ich Chris zum Anhalten genötigt habe. unser erster Seehund. Er liegt da wie tot und zuckt nicht, außer er wirft sich mit einer Flosse gerade Sand auf den Rücken.

0A74767B-64E9-4FAF-874B-53D52DC577CADer Fußweg zum Leuchtturm führt an einer Steilwand entlang, an deren Fuß sich die Seelöwen in natürlichen Pools austoben oder die von der Sonne gewärmten Steine genießen. Oder sind es vereinzelt auch Seehunde? Es ist wirklich schwierig zu identifizieren.

425EB40E-51BF-43F8-BEBF-46185929ADFBNoah gibt den Foto mit dem Teleobjektiv nicht mehr aus der Hand und fotografiert sinnvolles und sinnloses im Unverstand. Aber er hat Spaß. Auch vom Leuchtturm aus lassen sich die Sturmtaucher und sonstigen Vögel sowie vereinzelte Seehunde – oder -löwen (?) im Wasser und der Luft beobachten. Die Aussicht auf das Meer und die Brandung ist wunderschön und die Sonne ist ein bisschen gnädiger als in den letzten Tagen.

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Zum Schluss ist die Batterie des Fotos leer. Da ich in Surat Bay mit weiteren Tiersichtungen rechne, sollten wir diese vorher aufladen. Das geht aber nicht mit 12 Volt. Aber wir haben den Campingplatz in Newhaven, direkt in der Surat Bay gebucht. Also checken wir einfach ein bisschen früher ein, haben Lunch auf unserem Platz, machen ein kurzes Schläfchen und können den Foto wieder nutzen.

19101CEE-1D4A-4372-81BF-CB8666416CC2Um 13.30 Uhr sind wir über eine mehrere Kilometer lange Schotterstraße in Newhaven angekommen. Aber einchecken ist leider nicht. Denn man muss einen Campingplatz nicht nur am Abreisetag morgens um 10.00 Uhr verlassen. Die Anreise kann auch generell erst ab 14.00 Uhr erfolgen. Was machen die zwischendrin? Den Rasen saugen und frisch anmalen?

A09DF51B-83E6-43B4-9D47-16C4E28323DDAlso fahren wir um die Ecke an den Strand und essen unsere Sandwiches ungetoastet. Dann ist es kurz nach zwei und wir können einchecken. Wir erhalten einen wunderschönen Platz mit Blick auf den Strand. Nach einem kurzen Schläfchen von ca. 40 Minuten ist die Batterie des Fotos ausreichend geladen und wir machen uns auf, 6km durch die Surat Bay bis zur Cannibals Bay am Strand entlang zu laufen und zurück.

Kaum verlassen wir die Surat Bay liegt auch schon ein müder Seelöwe auf dem Strand und zuckt mit keiner Flosse. Er liegt im Tiefschlaf während wir uns respektvoll drumrum schleichen, denn überall wird gewarnt, dass Seelöwen nicht so schüchtern sind wie Seehunde und Pinguine. Sie sind selbstbewusst genug, Menschen anzugreifen, wenn sie ihnen zu nahe kommen oder blöd im Weg rumstehen.

700F555B-6860-4653-B562-B1BACDA57727Überall am Strand liegt zähes, dickes Seegras, das sich ausgesprochen seltsam anfühlt, wenn man es anfasst: ledrig, aber auch schwammig. Später erfahren wir, dass das Zeug Bullskelp heißt.

5AFD6CB4-F531-45CE-8DEA-EB8868F4F0A9In den Dünen verstecken sich weitere Tiere. Später finde ich heraus, dass die sandfarbenen die weiblichen Seelöwen sind. Sie sind im Sand fast nicht zu sehen. Bei den Seehunden sind Weibchen und Männchen braun oder grau.

Noah ist ausgesprochen kreativ, wenn es darum geht, den Spaziergang etwas interessanter zu gestalten. Dafür ist ihm jeder Blödsinn recht: Fotos schießen, posen, Seegras in den Wind werfen, so dass es uns möglichst trifft.

Seine Fantasie ist unerschöpflich. Anschließend setzen wir uns das erste Mal für ein Stündchen draußen hin, weil die Sonne wärmt. Dann verziehen wir uns wieder nach drinnen ins Warme.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Owaka zum Einkaufen, da wir davon ausgehen, in den nächsten zwei Tagen selber zu kochen. Außerdem hat Owaka ein Marine Museum, das für so ein kleines Städtchen wirklich ganz nett ist. Aber es gibt wieder dieses Syndrom, alle ersten Siedler möglichst im Detail zu verewigen.

Dann geht es weiter auf der Southern Scenic Route zu den Purakaunui Falls. Ein kurzer Marsch von nicht mal 10 Minuten führt mitten durch Regenwald. Die Vegetation ist absolut fantastisch und faszinierend. Chris ist wieder eingefallen, dass man ja singen könnte, diesmal Viva Colonia. Und Noah fällt lauthals ein.

0EB15878-E897-4C69-83D3-E3B891BA0EE7Am Wasserfall hält sich Noah – wie zu erwarten – nicht auf der Aussichtsplattform auf sondern klettert über die rutschigen Steine Richtung Wasser. Ich beobachte ihn und weiß, was kommt. Platsch – abgerutscht, Hintern an den Steinen angehauen, beide Füße kurz im Wasser bis fast zu den Waden. Um uns rum grinst alles. Manche Dinge lernt man nur durch Erfahrung. Aber er bleibt guter Dinge.

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Das nächste Ziel ist Lake Wilkie, in dessen dunklem Wasser sich an ruhigen Tagen die Umgebung spiegelt. Mit 20 Minuten hin und zurück ist auch das eine Stippvisite, nicht ganz so spannend aber ganz nett. Und an einer kleinen Ecke klappt das auch mit dem Spiegeln.

0D524951-1B0A-4593-AE63-DAECDDC8E7F2Die ganze Route ist gespickt mit solchen Kurz-Walks und netten Spots. Man weiß gar nicht, was man anschauen und was weglassen soll. Weil wir früh dran sind, schiebe ich noch die McLeanFalls ein, die im Reiseführer nicht vorkommen, aber in den lokal ausliegenden Karten und Beschreibungen der Gegend. Auf dem Parkplatz genießen wir in unserer Essecke im Camper erstmal ein paar Sandwiches.

A70E7CA1-12E8-44D8-8087-F6A83A9A4BE5Dann folgt der Spaziergang, der mit 40 Minuten hin und zurück (großzügig kalkuliert) ein bisschen länger ist. Und er ist wieder absolut sehenswert.

Auch  der Wasserfall ist nochmal eine deutliche Steigerung zum letzten.

667B8D56-A288-45BC-80F3-EF8F1FA52E6A819B29E0-92AC-4AF1-934C-E9FE5DF47217Das nächste Ziel, das wir auswählen, ist die Curio Bay. Dort gibt es einen versteinerten Wald oder so, der vor Jahrmillionen wie Pompeji durch einen Ascheregen konserviert wurde.

D014B617-A1EA-49CE-A5E9-09F32864C6CEAllerdings ist nicht mehr ganz so viel zu sehen, aber man kann die Baumstümpfe noch knapp erkennen. Dafür sind freiwillige Helfer da, die so manche Frage beantworten, mit deren Antwort ich hier brillieren kann.

8BEAE0E7-D00E-489C-9A9A-B68FE1E03C58Mittlerweile sind wir müde und halten nur noch am Slope Point als südlichstem Punkt des neuseeländischen Festlandes, an dem es kahl und stürmisch ist.

Dann fahren wir weiter bis an den Stadtrand von Invercargill, an dem wir spontan einen Campingplatz auftun, der einen Platz frei hat. Heute haben wir aber keine Energie mehr, Invercargill anzuschauen. Ich nutze noch die eigentlich netten, aber kalten sanitären Anlagen, bei denen alle Fenster und die Türe offen stehen 🤪, bevor ich von Eindrücken erschlagen 😉 ins Bett gehe.

Ich musste die Qualität der Bilder übrigens etwas reduzieren, weil das Internet hier einfach seine Grenzen hat. Und es dauert Stunden, bis alles online ist. Ich hoffe, es ist trotzdem noch ein Bilderrausch.

 

 

 

 

 

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