Hölle, Hölle….

Dunedin, 05.-07. Januar 2020

In Oamaru am Hafen fing es an. Weil es so kalt war und uns dieser eisige Wind um die Ohren pfiff, fing Chris an zu singen: Wahnsinn, warum schickt du mich in die Hölle….
Noah fiel ein, weil dieses Lied nur durch mitsingen zu ertragen ist. Und ich konnte es irgendwie verstehen. Glücklicherweise sind beide nicht textsicher, so dass es nicht lange dauerte. Dafür haben sie die erste Zeile immer wieder wiederholt.

5D5B53BA-0707-4A32-8A6D-A321ABE6842FJetzt sind wir hier in Dunedin und eigentlich ist es für hiesige Verhältnisse geradezu mild, denn die Sonne scheint. Da die Vorhersage für Morgen Sturm und Regen und noch kälter ansagt, überrede ich die Jungs, zuerst auf die Otago Halbinsel zu fahren und noch heute Abend einen der vielen vorgeschlagenen Spaziergänge zu unternehmen. Wer weiß, wie morgen das Wetter ist.

Die Straße auf die Halbinsel verläuft immer am Wasser entlang, oft nicht mal einen Meter bis zur Kante und ohne jede Absperrung. Ich bin mir sicher, dass hier oft Autos im Wasser landen. Aber es ist unglaublich scenic. Sobald man diese Straße verlässt, fährt man auf einem Schotterweg weiter, aber das geht trotz Riesenkiste überraschend gut.

EC2C15DC-EC34-4645-A989-0DD7E309B9C8Die zwei pittoresken Hügel werden kleine und große Pyramide genannt. Dieses Gebiet war mal Regenwald und soll es bis in hundert Jahren auch wieder sein. Dafür bildet sich erst Buschland mit vielen Farnen, die den Boden bedecken, bis Vögel hier Baumsamen fallen lassen und sich der Wald neu bilden kann. Die Siedler, die hier vor ca. 250 Jahren ankamen, haben alles mit viel Mühe abgeholzt, um Farmland zu gewinnen. Deshalb auch die ausgedehnten Wiesen für die tausende von Schafen.

Chris fängt wieder an, Hölle, Hölle, Hölle zu singen. Ich finde, das passt gerade garnicht, schließlich scheint die Sonne. Also fängt er an mit ‚Das Wandern ist des Müller‘s Lust‘ und ‚Es klappert die Mühle‘. 🙄

Ein Seelöwe oder Seehund oder auch Pinguine sehen wir nicht, obwohl überall gewarnt wird, vorsichtig den Pfad entlang zu gehen und im Zweifel unbedingt Abstand zu halten. Aber vielleicht liegt das an dem ‚schönen‘ Gesang?

Angenehm ermüdet finden wir auf dem Rückweg noch ein Restaurant und genießen im Camper wieder unseren Heizlüfter. Trotz extrem viel Regen in der Nacht ist der nächste Tag überraschend sonnig, aber wie angekündigt extrem windig. Wir fahren mit dem Camper durch Dunedin und schauen uns den berühmten Bahnhof (das ‚Schloss’) an. Das andere hübsche Gebäude ist das Gericht. Das Café für den Lunch ist auch sehr gut.

Dann zwinge ich die Jungs noch ins hiesige Otago Settler Museum. Alles was entfernt nach Völkerkunde riecht, hasst Chris wie die Pest und ich liebe es. Es ist gelebte Geschichte.

Typische Hütte der ersten Siedler

Zum Glück findet Noah Geschichte interessant und läuft alles andere als desinteressiert durch das Museum.

Hinterher ist er allerdings völlig erschlagen von der Masse dessen, was hier präsentiert wurde. Da die Geschichte dieses Landes so jung ist, ist jedes Jahrzehnt dokumentiert bis in die 1990er Jahre und zu allem haben sie irgendwelche Exponate.

Außerdem gibt es Bilder und Geschichten über hunderte von Menschen, die hier in den ersten Jahren gesiedelt haben.

Waschmaschine

Für den Nachmittag haben wir eine Tour im Albatros-Center an der Spitze der Halbinsel gebucht. Bei Windstille sind Albatrosse eher nicht unterwegs. Na dann dürften sie heute kein Problem haben, denn es stürmt abartig. Wir fahren diesmal auf der zweiten Straße der Halbinsel auf den Hügeln und halten immer wieder an, denn der Blick ist unglaublich toll. Die Böen sind extrem und man verliert immer wieder ein bisschen den Halt. Auch diese Straße windet sich entlang einer steilen Kante, so dass mir immer wieder das Herz stehen bleibt, wenn eine Böe unsere Camper-Kiste durchschüttelt. Chris tröstet mich, dass wir gegen Umfallen ja versichert sind. Das hilft mir viel, wenn wir den Berg runterfallen.

(Chris mit Sturmfrisur) Am Albatros-Center wird es dann grotesk. Als wir auf den Parkplatz fahren, sehen wir die Menschen sich gegen den Wind stemmen. Aber der größte Hammer sind die Möwen, die sich trauen in die Luft abzuheben. Sie werden vom Wind einfach rückwärts geschoben und haben keine Chance, deshalb hocken die meisten auch am Boden und suchen irgendwie Schutz. Ich muss die meiste Zeit kichern, weil es sich so schräg anfühlt.

Im Albatros-Center finden sie unsere Online-Buchung nicht. Irgendwas ist schief gegangen. Ist aber egal, denn alle Touren wurden abgesagt. Die Böen haben wohl über 120km/h, das ist zu gefährlich für die Albatrosse. Wir schauen uns die Ausstellung und den kleinen Dokufilm an, essen noch einen Apfelstrudel und sind froh, dass wir nicht wussten, dass es mit der Tour nix wird. Denn das Erlebnis dieses Windes und die Fahrt hierher waren es wert, auch ohne Tour.

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