Abenteuer auf der Gravel-Road

21. November 2019

Die Nacht war gut. Wir haben in Containern (im Hintergrund zu sehen) mit Air Condition und vor allem in (Stock-)Betten mit Kissen geschlafen.

F5F38643-E0C5-415B-B62A-682ACB91C189Als wir zum Frühstück gehen trifft uns die schwüle Morgenhitze wie wenn man gegen eine Wand läuft.

4376027D-497A-475F-8A8E-645333BB7F1AWir sind am Beginn der Wet-Season unterwegs. Die Schwüle baut sich immer weiter auf. Die Fliegen werden so zunehmen, dass ein Frühstück draußen so wie hier eigentlich nicht mehr möglich ist. Aber wir haben gewusst, dass es schwierig wird. Dies ist auch Adams vorletzte Tour. Dann ist Pause bis Februar. Ich laufe nur noch mit einem dünnen Tuch über dem Kopf rum, das die Fliegen von meinen Ohren weghält, und auch im Gesicht sind sie so deutlich weniger.

Die Tierwelt auf dem Campingplatz ist beeindruckend. Es gibt schwarze Kakadus (Cocotoos in australisch) und an einem Wasserhahn schwirren bunte Vögel in Massen.

Wir starten um 7.45 Uhr und fahren ca. 45 Minuten zum ersten Badeplatz. Die Anfahrt geht über eine Gravelroad. Die oberste Schicht ist loser Sand. Adam fährt mit hoher Geschwindigkeit, während das Auto wild schlingert und er permanent gegenlenkt, und mir bleibt das Herz stehen, als uns ein Auto entgegenkommt.

Als wir auf dem menschenleeren Parkgelände ankommen erklärt uns Adam, dass in der Dry Season alles voll mit Autos ist und man nur schwer einen Parkplatz bekommt. Nach ca. 500m zu Fuß erreichen Delaney, Olli, Chris und ich einen Lookout auf das Wasser. Die Atmosphäre ist wie in einem grusligen Film – die Stille, das Summen der Fliegen, die drückende Schwere der Hitze.

Delaney fragt:“ Was ist das da drüben? Ist das ein Ast?“ Wir starren hin. Plötzlich geht der Ast unter, taucht dann wieder auf, bewegt sich langsam fort. Olli antwortet düster: „Das ist kein Ast, das ist ein Krokodil.“ Wir starren alle gebannt auf den See.

Dann gehen wir die 10m weiter an den Einstieg ins Wasser. Wir werfen uns ratlose Blick zu. Nur Chris lacht und sagt: „Das ist nur ein Süßwasserkrokodil. Kein Problem.“ Und zieht sich bis auf die Badehose aus. Dabei steht auf allen Schildern, dass auch Freshies verletzen und töten können. Und Adam hat erzählt, dass sie, einmal zugebissen, nicht mehr loslassen. Delaney ist als erste im Wasser. Chris hinterher. Ich stehe voll bekleidet daneben und bin noch unentschlossen. Interessanterweise bleiben aber auch die beiden im hüfthohen Wasser stehen.

Alle, die eintrudeln, bringe ich auf den neuesten Stand. Interessanterweise machen sich alle bereit, ins Wasser zu gehen. Adam witzelt: „Geht ihr voraus.“ Delaney fragt: „Woher wissen wir, dass das kein Salty ist?“ Adam: „Dann würde er schon auf uns zukommen.“

Als wir alle im Wasser sind, schwimmen Adam und Chris los zum Wasserfall am anderen Ende. Ich bin nicht begeistert und äußere das. Adam sagt: „Ihr habt doch eine Travel-Insurance?“ „Ich brauche keine Travel-Insurance, ich brauche meinen Mann.“ Chris lacht nur. Lisa legt Wert darauf in der Mitte zu bleiben. Wir schwimmen zögerlich hinterher. Nach 30m sagt Delaney: „Ich muss das nicht machen.“ Wir stimmen ihr alle zu, drehen um und beobachten die Männer im hüfthohen Wasser.

Als die Männer zurückschwimmen, taucht das Krokodil wieder auf. Adam schwimmt sofort darauf zu, doch es verschwindet sofort wieder. Adam wundert sich, als die Männer wieder da sind: „Das ist wirklich ein ungewöhnliches Verhalten. Normalerweise verstecken sich die Krokodile und tauchen nicht mehr auf.“ Ich lege mich auf den Rücken auf den Schreck, um den Mücken zu entkommen und mich zu entspannen. Plötzlich spüre ich einen Stich an der Ferse, weil die winzigen Fische hier ab und zu beißen und schrecke mit einem Schrei und Geplansche hoch. Und alle erschrecken sich zu Tode, weil sie denken, das Krokodil hätte mich doch noch erwischt – auch Chris. Doch nicht so cool, häh?

Dann geht es wieder 40 Minuten mit dem Auto zum nächsten Wasserloch. Auf dem Weg hält Adam an einer alten Farm aus dem Jahr 1953 – ein historischer Schauplatz gewissermaßen.

Und dann kommt die ultimative Gravelroad-Erfahrung – siehe Beitragsbild. Im absoluten Schneckentempo holpern und rütteln wir über Stock und Stein, durch Löcher und Gräben zu unserem nächsten Ziel. Ich kiekse vor mich hin, beide Füße fest auf dem Boden des Autos und habe genau deswegen viel Spaß. Geteerte Straße kann ja jeder.

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Und dann sind wir auch schon da, ein kleines Becken, diesmal mit kühlem Wasser, da es sich um Quellwasser handelt. Und wir sinken alle mit einem Seufzer der Erleichterung in die Kühle – keine Krokodile weit und breit!

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Das war unser letzter Hotspot. Jetzt gibt es noch Lunch – Wraps und labrigen Toast. Und nach 3,5 Stunden Fahrt und ca. 300 km werden wir von Adam gegen 16.30 Uhr am Hotel abgeliefert.

Auf der Heimfahrt haben wir ihn noch zur beginnenden Regenzeit ausgequetscht und er erzählte, dass es dann täglich um 16.00 Uhr in unvorstellbaren Mengen regnet. Das passiert in Form eines Thunderstorms, der wenn er klein ist, ca 2.000 Blitzeinschläge verursacht. Bei den großen können es um 10.000 sein. Das dauert dann aber auch nicht so lange. Alternativ gibt es den Monsun, wo es dann tagelang regnet, wenn auch nicht so heftig wie bei der ersten Variante. Er hat uns mehrere Ecken gezeigt, in denen der Fluß 10m ansteigt und dann ganze Landstriche überflutet, Straßen unpassierbar werden und Salzwasserkrokodile überall auftauchen wo Wasser ist. So sind Camper mal vom Wasser überrascht worden und haben sich erst auf dem Dach der sanitären Anlagen und dann auf einem Wasserturm in Sicherheit gebracht, während sich um sie rum die Krokodile vergnügt haben. Sie wurden schließlich durch einen Helikopter gerettet, die in dieser Zeit gerne für Rundflüge gebucht werden. Und im Februar/März ziehen sich die Fluten dann zurück und das Gras wächst bis in eine Höhe von 2,5m. Da kann man dann ganz unvermutet einem Büffel gegenüberstehen, wenn man durchläuft. Interessanter Landstrich.

Ich habe mal erwähnt, dass wir bei der Buchung etwas Überredung einsetzen mussten, um an der Tour teilnehmen zu dürfen, weil sie eigentlich nur bis zum Alter von 45 empfohlen wird. Aber die Touren für ältere Semester waren uns einfach nicht genügend Abenteuer. Adam meinte dann zum Abschied, dass wir jederzeit wieder an seiner Tour teilnehmen dürfen, weil wir genauso cool drauf wären wie die jungen Backpacker.

Eins noch: Ich freue mich über jeden Kommentar wie ein Schnitzel. Außerdem verfolge ich die Besucher und Aufrufe. Ich gebe es zu, dass ich ein bisschen blogsüchtig geworden bin. Also bitte nicht zögern, wenn ihr uns was sagen wollt. Oder fragen. Ich habe wirklich großen Spaß daran. Und ich hoffe sehr, dass ich auch auf der weiteren Reise was erlebe, das erzählens- und lesenswert ist.

2 Kommentare zu „Abenteuer auf der Gravel-Road

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  1. Also ich hab ja gesagt, kommt wieder gesund nach Hause 🤔, da muss ich mir bei Chris echt Sorgen machen 😉
    Ich amüsier mich über deine Erzählungen, unter anderem über die Hitze und Schwüle, während ich hier mit der Wärmflasche auf der Couch liege.
    Die bunten Vögel sehen total schön aus!
    LG Heike

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