Unterwegs mit Schlangen und Wallabys

19. November 2019

Morgens um 6 stehen wir auf, packen eine kleinere Tasche für die geplante Tour und unseren Koffer, den wir im Hotel lassen werden und räumen unser Zimmer. Koffer unterbringen, Kaffee trinken und dann werden wir auch schon abgeholt.
78D9EAC0-FE7C-4A22-8593-587150AF5B0BDas Gefährt ist eine Mischung aus Jeep und Bus und unser Guide ist Adam, ein glücklicherweise verständlich sprechender Australier.

Wir sind zu acht. Delaney aus Tennessee, Maria und Elena aus Finnland, Ollie aus England, Lisa aus Stuttgart und Mercedes aus Australien. Alle zwischen 20 und 30 – und dann wir alten Seckel. Aber wir hatten uns bewusst für die ‚junge’ Tour entschieden, ohne Hotel und mehr mit Camp, näher dran. Die Tour ist eigentlich nur für Leute bis 45 Jahre. Aber wir haben versichert, dass wir den Anstrengungen gewachsen sind.

Bei einem kurzen Break an einem Campingplatz lerne ich eine Münchnerin kennen, die für die Stuttgarter Besitzerin des Campingplatzes arbeitet, die wiederum mit einem Australier verheiratet ist. Außerdem lernen wir eine Children Python kennen, die wirklich süß ist. Das ist eine Rasse, die etwas kleiner daher kommt. Dieses Exemplar ist durchaus ausgewachsen.
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Nach ca. 2 Stunden Fahrt auf rumpelnden Straßen schauen wir uns beeindruckende Termitenhügel an, die hier massenweise rumstehen. Wenn sie 4-6 Meter hoch sind, sind sie um die 50 Jahre alt.

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Dieses Feld, das ein bisschen an Gräber erinnert, sind Termitenhügel von magnetic termites.
A8CE943F-B9E8-47D3-BDFE-BDBA3CA5F79ASie richten ihre Behausung strickt von Nord nach Süd aus. So bekommen sie morgens und abends auf die großflächigen Seiten Sonne, Mittags trifft die Sonne dafür auf die schmale Oberseite. So wird eine beständig gleichbleibende Temperatur im Inneren erzeugt.

Es ist heiß und schwitzig, aber die Luftfeuchtigkeit tendenziell noch unter 50% – erträglich und für die wet season recht moderat. Trotzdem freuen wir uns alle, als es zum ersten Wasserfall Florence Fall geht, in dessen Wasserbecken perfekte Badetemperaturen herrschen. Alle stürzen sich begeistert ins Wasser.
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So erfrischt trauen sich auch alle den kurzen Walk zum nächsten Wasserfall zu Fuß zu – Buley Rock Hole. In Gespräche vertieft sind wir schnell da, natürlich wieder komplett durchgeschwitzt und deshalb gerne und schnell wieder im Wasser.

3D90836D-DE5C-4EC3-B9AE-2F61297CA811Adam erzählt, dass in der dry season im Juli das Klima deutlich angenehmer ist – um 30 Grad und viel weniger Luftfeuchtigkeit, dass sich aber dann auf die verschiedenen Pools um die 200 Leute verteilen. Da haben wir es netter. Wir sind fast allein, 4-6 andere Leute kommen und gehen. So kann man die Landschaft und das kühle Wasser genießen und Adam stürzt sich mit in die Fluten. 

Wir sehen winzige Frösche und eine kleine Baby-Eidechse, die mit Schwanz ca einen Meter lang ist und zu meiner Überraschung giftig ist. Uns macht sie nichts, aber wir beobachten Sie auch nur.

Zum Lunch packen alle mit an, holen Zutaten für Sandwichs, Geschirr, Spülschüsseln aus dem Auto zu einem überdachten Picknicktisch und stürzen uns hungrig auf das labbrige australische Brot. Und es ist wie überall im Ausland: Adam erzählt uns, dass Deutsche, wenn man sie fragt, was sie am meisten vermissen in Australien, einhellig nicht Eltern, Freunde und Verwandte benennen sondern das gute deutsche Brot. 

Nach dem Lunch geht es noch zu einem weiteren Wasserfall.

5229FC1D-3F8F-48EC-9081-EB84D441F425Hier riecht es für mich nach Zedernholz, andere sagen nach Matsch. Das Wasserbecken ist ausgedehnt, man kann toll schwimmen. Als wir aus dem Wasser gehen erzählt Adam, dass der Geruch von Fledermaus-Kot kommt, der überall auf den Pflanzen liegt, aber natürlich nicht im Wasser sei (jaja) und in dem Wasserarm, der in das Becken mündet, wahrscheinlich noch Krokodile sind. Aber nur Süßwasser-Krokodile, die nur angreifen wenn sie provoziert werden. Ein Tourist wurde mal gebissen, weil sich ein Krokodil von den 200 Leuten im Wasserbecken provoziert gefühlt hat. Aber so einen Biss überlebt man in der Regel problemlos. Lisa bekommt etwas schmale Lippen und meint nur, gut dass sie das erst hinterher erfährt.

Mit ein paar Keksen gestärkt geht es 2 Stunden lang zum Corrobee Camp. Auf dem Weg macht Adam eine Vollbremsung und wendet den Wagen. Eine Python hat sich auf die Straße verirrt. Adam nähert sich von hinten und stupst sie vorsichtig am hinteren Ende an. Die Schlange reagiert nicht. Und dann… seht selbst.

Er meint, manche Schlangen reagieren aggressiv und mit anderen kannst du alles machen, die bleiben komplett gechillt. Diese gehört zur zweiten Sorte, weshalb er sie einfach umbetten konnte.

In Corrobee gibt es neben Bisons und Krokodilen (in Gehegen) die ersten freilaufenden Wallabys zu bewundern, kleine Kängurus, die in Massen zwischen den Häuschen grasen und sehr scheu sind. Süße Kerlchen.

Dann beziehen wir unsere überraschend komfortablen Camphäuschen, die ein dichtes Netz haben wegen der Insekten aber dennoch viel Luft durchlassen. Ich schnappe mir einen der Palmwedel und entferne die ganzen Spinnweben inklusive Spinnen. Dann beziehen wir die Betten mit einem Leintuch und ziehen los zu einem kalten Bier an der Bar. 

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Adam verspricht noch, für Chris die Paprika aus dem Tiefkühl-Mischgemüse zu puhlen, aus dem er für uns Wokgemüse mit Reis und Hühnchen herstellen wird. Dann können wir auch schon gemeinsam essen.
761178E0-7DE2-4393-A43B-B025D92ED3A9Wir spendieren allen Bier, das hier in Aussie mit ca. 20€ fürs Sixpack echt teuer ist und deshalb für arme Backpacker eher ein Invest.

Gegen halb zehn breche ich zur Dusche auf und treffe auf Maria und Elena, die dasselbe Ziel haben. Wir finden den Lichtschalter nicht aber haben alle Taschenlampen dabei. Maria teilt sich die Dusche mit einem kleinen Frosch. Ich überrede die Heuschrecke in meiner Dusche mit wiederholtem Anstupsen zur Freigabe des Territoriums und muss dann doch mal kurz aufkreischen, als was schnell an meinem Gesicht vorbeiwitscht. Als ich hinter die Tür schaue, sehe ich erst nichts. Dann entdecke ich einen blassen Frosch in der Größe meines Daumens. Der ist aber so goldig, dass er mich beim Duschen nicht weiter stört und wir die Location teilen. Aber sorry, in der Dusche hab ich keinen Foto.

Zurück im Bett ohne Kissen verbringen wir mit den unterhaltsamen Geräuschen der umgebenden Natur eine verhältnismäßig angenehme Nacht.

2 Kommentare zu „Unterwegs mit Schlangen und Wallabys

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  1. Herrlich, es macht so Spaß, deinen Erzählungen zu folgen. Hört sich alles so spannend an, aber mich würden da keine 10 Pferde ins Wasser bekommen 🤔
    Lieber Gruß Heike

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